#Dienstagspost: Es läuft nicht immer wie geplant

Als wir beschlossen haben Kinder zu bekommen, habe ich es
mir traumhaft vorgestellt. Nicht nur Kinder zu haben, sondern auch den Weg bis
dahin. Diesen Plan habe ich wohl ohne meinem Körper gemacht. Die erste Hälfte
der Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. 

Am Anfang hatte ich selten
Hunger um nicht zu sagen, gar keinen Appetit und verlor 3 Kilo an Gewicht. Allerdings
war es am Ende der Schwangerschaft wieder drauf
.  Was echt heftig war: Die Müdigkeit. Sie war
eine ziemliche Plage. Wirklich. Ich hätte 20 Std am Tag schlafen können und ich
sag‘s Euch, es hatte sich nicht nach dem 3. Monat gelegt. In dieser Zeit hat
mein Mann so viele Filme gesehen wie noch nie in seinem Leben 😀 Die Müdigkeit
hat sich erst gg Ende des 4. Monats gelegt und kam im 9. Monat wieder.

Das Allerschlimmste waren aber die Stimmungsschwankungen.
Keiner konnte es mir recht machen. Ich glaube, ich konnte es mir selbst nicht
wirklich Recht machen. Ob es richtige Stimmungsschwankungen waren oder Angst
gepaart mit Vorfreude, kann ich bis heute nicht beurteilen. Vielleicht beides.
Mein armer, armer damals Freund, heute Mann.

Zudem kamen die Erwartungen der anderen dazu. Wir waren die
ersten im Familien- und Freundeskreis, die ein Baby bekamen. Ich wollte es
allen Recht machen, damit sie glücklich und zufrieden waren. Natürlich wollte ich
auch meinen Arbeitsplatz ordentlich übergeben. Wir wollten noch unbedingt mit
unterschiedlichen Leuten zum Weihnachtsmarkt, wir wollten noch mal zum Konzert,
nochmal zu zweit in die Sauna und und und. Die Liste war endlos!

Ich denke die Mischung aus allem führte dazu, dass ich
vorzeitige Wehen bekam. Ich wusste nicht, dass es schon richtige Wehen waren,
die den Gebärmutterhals immer kürzer werden ließen. Dachte immer es sind
Senkwehen. Durch meinen wöchentlichen Newsletter war ich bestens informiert.
Also funktionierte ich weiter… Arbeitete und machte noch ein Paar Überstunden. Erledigte
alle Besuchspflichten und versuchte alles von der ToDoListe zu streichen was
ging. Schließlich werde ich mit Kind das alle nicht mehr machen können.

Bis ich kurz vor Weihnachten (20.12 -27ssw-) ein sofortiges
Arbeitsverbot und bekam zusätzlich Bettruhe angeordnet wurde.

Der Arzttermin war abends und so ging ich nochmal in die
Firma um meine Sachen abzuholen. Das war mein Letzter Arbeitstag. Eigentlich  hätte ich noch 3 oder sogar 4 Wochen arbeiten
müssen. Natürlich habe ich mich an die Bettruhe gehalten. Nicht. Denn ein
bisschen Haushalt und Kochen ist doch nicht anstrengend.

Am 23.12. mussten wir nochmal zur Kontrolle ins Krankenhaus um
zu sehen wie sich der Gebärmutterhals entwickelt hat. Als wir dann dort waren
und festgestellt worden ist, dass sich der GMH innerhalb der 3 Tage wieder um
0,5 cm verkürzt hatte, war die Angst der Ärztin groß. Sie wollte mich am besten
gleich da behalten! Am 23.12.! Nach Rücksprachen mit dem Oberarzt durfte ich
nach Hause, allerdings nur unter der Prämisse, die Bettruhe nur für
Toilettengänge und Bett/Couch-wechsel zu verlassen.

BÄM! Das hat gesessen!

Ab da, ja ab da, hielt ich mich an die Bettruhe… Denn ab
da gab es kein „Nur noch diese paar Termine“ kein „du musst noch den und den
sehen“, denn ab da gab es nur noch „ bitte, bitte bleibt noch in meinem
Bauch“…schließlich war ich erst in der 28.ssw…

Weihnachten wurden alle Termine komplett abgesagt und das
Weihnachtsessen wurde von meinem Mann zubereitet. Und es war echt gut!

Auch danach ging es fast nur noch im Schneckentempo,
außer! Wir beschlossen, dass wir noch vor der Geburt heiraten wollen. 5 Wochen
vorm Stichtag. Das ist aber eine andere Geschichte:)

Ich wollte immer schon eine Spontangeburt. PDA ok, aber
bitte doch keinen Kaiserschnitt. Schade nur, dass mein Kind ab der 20. ssw nur
noch gesessen hat (zumindest auf dem Ultraschall). Bis zum Schluss wollte sich Fienchen
einfach nicht drehen. Drehung von außen kam nicht in Frage. Meiner Meinung nach
hat alles einen Sinn. Und wenn das Kind sich nicht drehen will, dann greife ich
da auch nicht ein. Nachdem ich noch Dr. Google zu Risiken einer Spontangeburt
in Beckenendlage befragt habe, stand endgültig fest: Unsere erste Tochter kommt
per Kaiserschnitt zu Welt.

Für mich brach meine Welt zusammen. Wie ungerecht konnte das
Schicksal sein, dass ich keine Spontangeburt erleben durfte!

Durch das Einhalten der Bettruhe und das genaue hinhören auf
den Körper, blieb Sophie noch mehr als 11 Wochen in meinen Bauch. Auch die
Aufregung der Hochzeit änderte nichts daran. Sie turnte wild herum und ich
genoss es. Genoss es das Wunder zu spüren.

In der 36. ssw saß Fienchen immer noch und ich wurde zur Vorstellung
ins KH überweisen. Da wurde alles besprochen: Anästhesie, Risiken des
Kaiserschnittes, der Rückenmarkbetäubung etc… Und wir sollten einen Termin für
den Kaiserschnitt festlegen. Wenn es nach der Oberärztin gegangen wäre, hätten die
Fienchen schon 2 Wochen VOR der Stichtag geholt. So kämpfte ich für jeden Tag
und wir einigten uns auf den 01.3. Stichtag war der 06.03.

Darauf bereitete ich alles für den 01.03. vor. Tasche war eh
schon seit der 28.ssw gepackt. Aber ein paar Kleinigkeiten blieben noch.

Aber 1. kommt es anders und 2. als man denkt…

Am 28.02. fuhr mein Mann ganz normal zu Arbeit. Ich machte
unsere Degus sauber und legte mich danach hin, da ich ziemlich erschöpft war.
Durch ein ziemlich lautes Blubb wurde ich geweckt…es war die Fruchtblase, die
geplatzt war und ich lag in einem See aus Fruchtwasser… Zum Glück hatte man
mich vorgewarnt, dass wenn die Fruchtblase platzt, ich mich sofort hinlegen und
einen Rettungswagen rufen soll. Das Köpfchen lag bei mir nicht Becken und hätte
den Ausgang verschließen können. Somit könnte die Gefahr bestehen, dass sich
die Nabelschnur um den Hals legt. Gut, dass ich schon lag 🙂 Zuerst habe ich
die 112 angerufen und dann meinen Mann, der aus allen Wolken fiel: „ Wie es
geht schon los, wir haben doch morgen erst den Termin“. Zum Glück kam er
schnell heim, schneller als der RW und so sind wir zusammen ins KH. Während
mein Mann immer unruhiger wurde, passierte bei mir das Gegenteil. Ich versuchte
die Wehen, die in 5min Takt kamen,  weg
zu atmen während mich die Krankenschwester oder Hebamme für den OP fertig
gemacht hat. Da ich keine Vollnarkose hatte, war mein Mann bei der Geburt dabei
und durfte mit als die erste Untersuchung  U1 stattfand. Bevor Sophie untersucht wurde,
durfte ich auf dieses wundervolle und vollkommene Wesen einen Blick werfen. Es
ist kaum im Worte zu fassen. Die Liebe, die man in der Schwangerschaft empfindet,
ist wundervoll. Aber wenn man dieses kleine Wesen das erste Mal spürt, es ist
so als würde man von eine Lawine der Liebe überrollt werden.

Da wir uns dafür entschieden haben, dass mein Mann das
Bonding übernimmt so lange ich im OP bin, verbrachte Fienchen die erste halbe
Stunde ihres Lebens auf der Brust ihres Vaters… Ich fand den Gedanken
schrecklich, dass sie 20-30 min fast keinen Hautkontakt haben würde, wenn sie
bei mir im OP bliebe. Ganz schrecklich. Somit habe ich mich bewusst FÜR das
Bonding durch meinen Mann entschieden… und bis heute bereue ich es nicht…

Euer Küstenmädchen aus dem Norden

4 Kommentare

  1. Das war ja dann doch ein happy-end für dich.
    Toll, dass sich Fienchen selbst ihren Geburtstag ausgesucht hat. Ich denke dass tut den Kleinen gut, zu merken, dass es los geht….

    Ich möchte dir aber auch Mut machen. Denn ich hatte bei meinem 1. Sohn eine äußere Wendung wegen BEL, die ohne Vorkommnisse und aufreger prima verlief. Josua kam 2,5 Wochen später natürlich und gesund auf die Welt nach (leider) 26 Stunden wegen. Meine Tochter hat mich dafür mit 4 Stunden belohnt.
    Wenn du die Geschichte der Wendung genauer hören möchtest, Mail mich gerne an.
    Katrin

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